Der private Diskurs als einzige relevante Kontaktstelle

Was machen eigentlich Leute, die debattieren, sonst noch so? Cornelius Lipp, Debattant aus Bayreuth, stellt heute ein Projekt vor, dem er sich aktuell widmet. Die studentische Kampagne DISKURSIV möchte mit sachlicher Analyse Argumente gegen rechtspopulistische Positionen erarbeiten. Über die Hintergründe und Möglichkeiten, sich zu beteiligen, berichtet er nachfolgend.

 

Viele von uns haben Verwandte oder Bekannte, die mit rechtspopulistischen Positionen sympathisieren. Einige haben sicherlich auch versucht, mit ihnen kritisch über deren Ansichten zu diskutieren. Das Ergebnis eines solchen Versuches ist jedoch oft Resignation. Zu kompliziert ist es, sich mit den ständig ändernden Unterstellungen des Onkels auseinanderzusetzen, zu anstrengend und unangenehm, die angeblichen Fakten der Tante zu überprüfen, um ihr dann gegebenenfalls zu widersprechen. Doch obwohl es kompliziert, anstrengend und auch unangenehm sein kann, mit nahestehenden Menschen über Rechtspopulismus zu diskutieren, glaube ich, dass es ein notwendiger Beitrag auf dem Weg zu einer besseren Gesellschaft ist.

Denn im Zeitalter von präferenzverstärkenden Social-Media-Algorithmen und damit einhergehenden Informationsblasen wird das Herausfordern von Meinungen und Überzeugungen automatisch erschwert. So boykottieren viele Sympathisanten des Rechtspopulismus renommierte Informationsquellen als „elitär“ oder „Teil der Lügenpresse“. Nicht selten konsumieren sie stattdessen journalistisch fragwürdige, rechtspopulistische Medien, die ausgrenzende oder rassistische Inhalte verbreiten. Die bestehenden Ansichten und Überzeugungen werden dadurch nicht herausgefordert oder relativiert, sondern zementiert und radikalisiert.

Als Gegner rechtspopulistischen Gedankenguts halte ich diese Entwicklung für besorgniserregend. Es scheint mir, als verbleibe der private Disput als einzige relevante Kontaktstelle, um die rechtspopulistischen Positionen in einem kritischen Diskurs zu hinterfragen und herauszufordern. Um diesen Weg zu beschreiten, haben einige Freunde und ich die studentische Kampagne DISKURSIV gegründet, die Studierende motivieren und unterstützen soll, mit ihrem privaten Umfeld (wieder) in einen kritischen und fairen Diskurs über rechtspopulistische Ansichten einzutreten. Dafür entwickeln wir eine Website, auf der in den nächsten Monaten die wichtigsten rechtspopulistischen Thesen analysiert und für das private Gespräch aufbereitet werden. Dabei sollen die einzelnen Positionen möglichst neutral und sachlich (im Aufbau einem Casefile ähnelnd) auf ihr Für und Wider untersucht werden. Es werden Gesprächsstrategien vorgestellt und ein Forum angeboten, auf dem man sich über seine Gesprächserfahrungen austauschen kann. Wer die Website besucht, soll dazu befähigt werden, einen möglichst konstruktiven, aber kritischen Diskurs über Rechtspopulismus zu führen.

„Rechtspopulistischen Ansichten entgegenzutreten ist alles andere als ein leichter und einfacher Schritt. Er kostet Mut. Es wäre toll, wenn ihr uns dabei helft, andere Studierende dabei zu unterstützen, diesen Schritt zu gehen.“

Im deutschsprachigen Raum existieren mittlerweile viele Initiativen, die sich gegen das Erstarken rechtpopulistischer Positionen und Gruppen stemmen. Wir glauben, dass wir mit unserem Ansatz eine Lücke im bestehenden Repertoire deutschsprachiger Initiativen schließen. Denn es gibt noch keine Kampagne, die junge Menschen unterstützt und motiviert, als Botschafter gegen Rechtspopulismus in die Nischen Deutschlands zu ziehen, in die es sonst kein Medium mehr schafft. So schafft es die ZEIT Kampagne D17 nur schwer, diejenigen in einen kritischen Diskurs einzubinden, die die ZEIT als „etabliertes Medium der Lügenverbreitung“ boykottieren. Gemäß unserem Motto „Umdenken beginnt zu Hause“ versuchen wir, Diskurs da entstehen zu lassen, wo man ihm nicht so leicht ausweichen kann.

Die inhaltliche Ausrichtung und die damit einhergehenden Herausforderungen des Projekts passen sehr gut in das Profil vieler mir bekannter Debattierer*innen. Deshalb: Fühlt euch herzlich eingeladen, euch bei uns zu melden, wenn ihr uns beim Umsetzen dieses Vorhabens unterstützen wollt!

Das Herzstück von DISKURSIV ist die Website und bisher suchen wir noch händeringend nach einem Webdesigner und -programmierer. Wer sich vorstellen könnte, unseren Website-Debüttanten Philipp und Mariam bei Fragen zur Seite zu stehen oder selbst mit anpacken möchte, melde sich bitte schnellstmöglich bei uns.

Ein elementarer Schritt in unserer Kampagne ist es, bis Mitte Juli – also noch vor den Sommersemesterferien – einen Artikel an euren Universitäten zu lancieren. Darin wollen wir DISKURSIV vorstellen und auf unsere bald kommende Website aufmerksam machen. Hierbei könntet ihr uns besonders gut helfen! Der Artikel soll sowohl in Unizeitungen, als auch über universitätsinterne Verteilerkanäle – wie etwa den StuRa-/StuPa-/Asta-Verteiler – veröffentlicht werden. Wir würden euch mit allen nötigen Materialien ausstatten und euch bitten, diese an die jeweiligen Stellen eurer Universität weiterzugeben und zu organisieren, dassles rechtzeitig veröffentlicht wird.

Redaktion
Redaktion
Wir sind ein starkes Team,......

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