Hier findest du Hinweise darüber, wie du dich schon vor dem politischen Gespräch darauf vorbereiten kannst. Die Hinweise beziehen sich überwiegend auf persönliche Gespräche zwischen dir und einer anderen Person: auf Familienfeiern, im Verein, unter Freunden. Abgesehen vom Kontext des Gesprächs, solltest du dir davor klarmachen, worauf du dich einlässt, sodass du Enttäuschungen vorbeugen kannst.

Ziele:

Was willst du erreichen? Setze dir realistische Ziele und vermeide übertriebene Erwartungen. Denn: Überzeugen ist ein Marathon! Und selbst Denkprozesse anzustoßen, ist ein weiter Weg.

Damit jemand eine Meinung ändert oder zumindest überdenkt, müssen in der Regel viele Gespräche stattfinden. Etappensiege sind also deine Devise. Und das ist auch in Ordnung, denn ein kleiner Gesprächserfolg kann schon reichen, um nachhaltige Denkprozesse anzustoßen, die das Gegenüber auf weitere Unstimmigkeiten im eigenen Weltbild stoßen lassen. In manchen Situationen solltest du du deine Erwartungen noch weiter reduzieren. Wenn ein ernsthaftes Gespräch nicht stattfinden kann, dann ist es oft trotzdem wichtig, dass du dich klar gegen eine geäußerte rechte Position stellst, ohne dass ein Austausch stattfindet.

Eine realistische Herangehensweise schützt dich davor, enttäuscht oder wütend zu werden. Dies kann gerade für die Diskussion mit Vertrauten von großer Bedeutung sein. Je weniger Fortschritt du kurzfristig erwartest, desto unwahrscheinlicher ist, dass du enttäuscht oder wütend wirst. Das wiederum ist wichtig, sonst fehlt dir die Motivation, den Austausch zu einem späteren Zeitpunkt fortzusetzen. Denk daran: Wenn überhaupt, wirst du nur langfristig bei deinem Gegenüber grundlegende Überzeugungen verändern können oder ihn*sie zum Nachdenken anregen.

Mach dir auch bewusst, dass du selbst dann von einem Gespräch profitieren kannst, wenn es bei deinem Gegenüber erstmal keine Denkprozesse ausgelöst hat. Manchmal lernst du aus einem Gespräch etwas, dass du dann im Gespräch mit einer anderen Person verwenden kannst. Lass dich also nicht zu schnell entmutigen und versuche Lehren zu ziehen, auch aus unangenehmen Begegnungen.

Person:

Mit wem sprichst du? Wer sich wie und von was zum Nachdenken bringen lässt, hängt stark von den Charaktereigenschaften des Gegenübers ab. Frag dich also: “Ist mein*e Gesprächspartner*in eher analytisch oder emotional?” “Wie nahe stehe ich dieser Person?” “Was für Überzeugungen hält sie*er eigentlich genau?”

Analytisch oder Emotional?

Natürlich sind das Vereinfachungen, die meisten Menschen sind irgendwo in der Mitte anzusiedeln - stell dir dennoch die Frage: Was für ein Typ ist mein Gegenüber? Hast du es mit einer eher analytischen Person zu tun, solltest auch du dich thematisch gut auskennen und inhaltslastig argumentieren. Bei emotionalen Typen, solltest du dir Strategien überlegen, ob und wie die Sachebene überhaupt erhalten werden kann. Außerdem ist dann die Beziehungsebene zwischen euch besonders wichtig, achte also auf den persönlichen Umgang im Gespräch. In beiden Fällen ist es hilfreich, auf mögliche Argumentationstechniken des Gegenübers vorbereitet zu sein.

Wie nahe steht dir die Person?

Abhängig davon, wie nahe dir die Person steht, solltest du dir unterschiedliche Ziele setzen. Je näher dir dein Gegenüber steht, desto mehr Gelegenheit hast du vermutlich, einen Denkprozess bei der Person auszulösen. Vermutlich bieten sich hier mehr Ansatzpunkte, um ein Umdenken in Gang zu setzen: So kannst du an gemeinsam Erlebtes erinnern, um Gemeinsamkeiten zu etablieren (das hilft, damit dir im weiteren Gesprächsverlauf zugehört wird) oder dir fallen Unstimmigkeiten in seiner*ihrer Argumentation eher auf. Außerdem kannst du dir dann oft auch mehr Zeit zum Überzeugen nehmen, falls du weißt, dass du noch weitere Gespräche führen kannst.

Andererseits gibt es auch Auseinandersetzungen mit Unbekannten im Alltag: beispielsweise der pöbelnde Rassist in der U-Bahn. Den versuchst du vermutlich gar nicht zu überzeugen. Eine klare Positionierung ist oftmals trotzdem wichtig, zum Beispiel, um Personen zu verteidigen, die von diskriminierenden Aussagen direkt betroffen sind. Zivilcourage wirkt ansteckend und viele Zeugen werden ermutigt, deinem Beispiel zu folgen.

Um welche Themen geht es vermutlich?

Sofern möglich, versuch dir vorher schon darüber klar zu werden, welche Positionen dein Gegenüber genau vertritt, welche Themen ihr wichtig sind und wie sie sich informiert. Bereite dich darauf gegebenenfalls entsprechend vor. Auch mit Argumentationsmustern, die dein Gegenüber oft verwendet, solltest du dich auskennen. Wenn du viele dieser Informationen über deine*n Gesprächspartner*in noch nicht weißt, dann kann das erste Gespräch auch primär dafür verwendet werden, sie zu erlangen.

Kontext:

In welcher Situation diskutieren? Wann nicht? Finde heraus, welche Situation am besten passt, um im Gespräch mit deinem Gegenüber deine Ziele zu erreichen. Werde dir dabei über deine eigene Rolle bewusst.

Ist dein*e Gesprächspartner*in gestresst, gereizt oder übermüdet, so ist er*sie nicht im Stande, deinen Einwürfen zu folgen oder dir überhaupt zuzuhören. Versuche also das Gespräch nur dann anzuzetteln, wenn du das Gefühl hast, dein Gegenüber ist gerade bereit, sich auf eine Diskussion einzulassen.

Mach dir dazu klar, ob du lieber alleine mit der anderen Person diskutieren willst oder kannst. Ist es überhaupt möglich, zu zweit zu reden? Wenn nicht, brauchst du vielleicht weitere „Verbündete“? Das ist gerade dann hilfreich, wenn Parolen innerhalb einer größeren Gruppe, wie bei Familienfeiern, geklopft werden. Kannst du schon vorher deinen Bruder fragen, ob er dir im Zweifel zur Seite steht? Vielleicht haben du und dein*e Gesprächspartner*in auch generell ein angespanntes oder von Machtgefällen geprägtes Verhältnis. Oder du fühlst dich nicht von ihr ernst genommen. Auch in diesen Fällen kann es hilfreich sein, eine Person, die deine Einstellung teilt, hinzuzuziehen.

Falls du davon ausgehst, vor Publikum zu diskutieren, überlege dir vorher, wer das Publikum ist. Deine Unterhaltung ist dann ein Forum, dem andere Personen beiwohnen. Auch diese gilt es gegebenenfalls zu überzeugen, selbst wenn sie nicht mitdiskutieren. Mache dir also vorher klar: Was haben sie für Ansichten? Musst du möglicherweise gegen mehrere Personen gleichzeitig argumentieren? Auch dann ist es besonders hilfreich, sich schon vorher um Unterstützung zu kümmern.

Sonstiges:

Gesprächsregeln einführen? Womit ist sonst zu rechnen? Je nach Kontext und Gesprächspartner*in kann es Sinn machen, explizit Gesprächsregeln zu formulieren. Überlege dir, was du machst, wenn die Regeln gebrochen werden.

„Ausreden lassen, ohne das Monologe entstehen.“ „Ruhig und sachlich bleiben, nicht ständig das Thema wechseln.“ „Keine Beleidigungen, keine Ausdrücke.“ Auf einige simple Regeln kann man sich meist gemeinsam einigen. Wenn absehbar ist, dass dein Gegenüber viele der grundsätzlichsten Gesprächsregeln vermutlich nicht einhalten würde, dann lege dich vorher mit ihr*ihm auf diese fest. Wenn die Regeln dann trotzdem regelmäßig ignoriert und gebrochen werden, verlasse mit dieser Begründung das Gespräch.

Falls du keine Regeln festlegen möchtest: Werde dir üblicher Konfliktlinien bewusst und stelle dich auf eventuelle persönliche Attacken deines Gegenübers ein. Derartige Ausfälle konterst du am besten mit einfachen Sätzen wie: "Ich dachte wir sind beide an einer vernünftigen Diskussion interessiert." Oder: "Statt persönlicher Angriffe könntest du mal sachliche Argumente liefern."

Dann ist es auch möglich das Gespräch wieder auf das Wesentliche, die Sachebene, zurückführen. Trotzdem: Sollte das dauerhaft misslingen, kannst du das Gespräch begründet abbrechen.